Pädagogik

Zur Aktualität der Pädagogik Maria Montessori

Zu wissen, wie man lernt, ist in einer rasch verändernden Gesellschaft wichtiger als reproduziertes auswendig gelerntes Detailwissen. Komplexe Handlungs- und Denkvorgänge werden in einzelne Sequenzen zerlegt und über verschiedene Sinnes- und Bewegungserfahrungen im Umgang mit dem Material begriffen, wiederholt geübt und eingeprägt.
„So muss das Kind zu einer größeren Gesellschaft in Beziehung treten. Die von der Welt abgeschlossene Schule, so wie sie heute verstanden wird, kann dem Kind nicht mehr genügen. Etwas fehlt dort zur vollen Entfaltung seiner Persönlichkeit. Wir stellen bei ihm eine gewisse Rückentwicklung fest. Äußerungen seines Charakters, die wir als Anomalien bewerten: Es sind ganz einfach Reaktionen auf eine ihm unzureichend gewordene Umgebung.“ (M. MONTESSORI, Von der Kindheit zur Jugend, Freiburg, 1973, 27)
Eine veränderte Kindheit, wie sie heute zu konstatieren ist, erfordert in ganz bestimmter Richtung pädagogische Konsequenzen.
Der BUNDESGRUNDSCHULKONGRESS führt u. a. folgende Punkte an, die die veränderte Situation bestimmen und benennt notwendige pädagogische Folgerungen, die für GS + HS heute gelten und wichtig sind.

- demokratischer, partnerschaftlicher Erziehungsstil-
  mehr Gelegenheit zu selbstverantwortetem Lernen
- größere soziale Schere arm/reich-
  verstärkte Differenzierung
- Zunahme der Einzelkinder und Scheidungswaisen-
  Schule als Stätte sozialer Begegnungen
- Einschränkungen im natürlichen kindlichen Lebensbereich-
  Zeit für Naturerlebnisse, Spielen, entdecken
- Zunahme des Konsums allgemein,speziell des Medienkonsums-
  Entwicklung der Sinnesempfindungen und Förderung der Eigenaktivitäten.

Die von großen Teilen der Fachwelt anerkannten und geforderten Schlüsselqualifikationen und Fähigkeiten, gehen über rein fachliche Fertigkeiten und Kenntnisse weit hinaus. Im folgenden sind nur einige beispielhaft genannt, um damit das aktuelle öffentliche Interesse an unserem Schulprojekt zu begründen:

die Fähigkeit zu und die Freude am lebenslangen Lernen;
die Fähigkeit Theorie und Praxis miteinander zu verknüpfen;
die Fähigkeit zu Verständigung, Zusammenarbeit und Solidarität;
die Fähigkeit Mitverantwortung zu übernehmen;
die Fähigkeit sich eigene Ziele zu setzen.

Diese Aussagen, die selbstverständlich nur einen sehr knappen Auszug der öffentlichen und fachlichen Diskussion im pädagogischen Bereich wiedergeben, bezeugen das aktuelle Interesse an und für eine Schule, die unseren konzeptionellen Vorstellungen entspricht.

Die Umsetzung der Pädagogik Maria Montessori

Wie lernt das Kind?

Das Kind entwickelt sich in der vorbereiteten Umgebung.
"Für uns muss gerade die Umgebung dem Kind angepasst werden, und nicht das Kind soll sich einer vorgefassten Umgebung anpassen" (M. M.)
Die bewusst gestaltete Umgebung in einer liebevollen Atmosphäre soll das Kind zur selbstbestimmten und konzentrierten Tätigkeit anregen. Dabei soll die jeweiligen Altersstufen berücksichtigt werden.
Offen zugängliche Materialien fordern zur Eigenaktivität auf und regen die Kreativität an. Die freie Wahl der Arbeit bietet dem Kind die Möglichkeit, sich intensiv auf das Material einzulassen und neue Lernerfahrungen zu sammeln.
Maria Montessori beobachtete, dass Kinder die Fähigkeit haben, sich mit Dingen, die ihr Interesse wecken, mit äußerst gebündelter Konzentration zu befassen und sich nicht ablenken zu lassen.
Das Montessori-Material erlaubt es den Kindern, selbständig zu arbeiten und Lernerfolge zu kontrollieren. Die Kinder "begreifen" so unmittelbar ihre Umwelt, mathematische Gesetze, sprachliche Zusammenhänge, handwerkliche Techniken und praktische Bewegungsabläufe.

Das Lernen in altersgemischten Gruppen
Das Lernen in altersgemischten Klassen


Überall in der Natur und in der menschlichen Gesellschaft leben, lernen und arbeiten mehrere Altersgruppen zusammen. Die Altersmischung spiegelt die Natürlichkeit im Zusammenleben wieder, wie es insbesondere die Familie zeigt, in der immer Menschen verschiedenen Alters leben. In Übereinstimmung damit und aus ihren Beobachtungen und Erfahrungen schließt Maria Montessori, dass das Lernen und Aufwachsen der Kinder am besten in altersgemischten Gruppen gelingt.
In einer altersgemischten Klasse findet natürliches Lernen statt. Dabei profitieren sowohl die Jüngeren von den Älteren als auch umgekehrt. Die jüngeren Schüler sehen, was ältere schon können und werden dadurch motiviert – sie haben ein Ziel vor Augen, das sie erreichen wollen.
Jedes Kind hat bessere Entwicklungsmöglichkeiten, da es nach seinem eigenen Tempo im Lernprozess voranschreitet. Begabte Kinder können im Lehrstoff schneller voranschreiten, leistungsschwächere Kinder haben die Möglichkeit an einem Thema länger und ausführlicher zu arbeiten und zu üben.
Ältere Schüler haben die Chance, durch praktische Vermittlung ihres Wissens an die jüngeren ihr Wissen zu vertiefen und Arbeiten zu wiederholen, in denen sie noch unsicher sind. Kinder zeigen oft ein besonderes Geschick im Erklären von Sachverhalten und -zusammenhänge, sie befinden sich auf unterschiedlichen Wissensebenen aber auf gleicher Verständigungsebene. Es entwickeln sich Lerngemeinschaften und Helfersysteme. Das Helfen wird als ganz natürlich angesehen. Die Schüler sind hierbei Lernende und zugleich Lehrende.
In einer jahrgangsgemischten Klasse durchlaufen die Kinder den Status des Lehrlings, des Gesellen und des Meisters. Da sich die Gruppenzusammensetzung nach jedem Jahr ändert, kommt es auch nicht zu starren Rollenfestlegungen. Hieraus ergibt sich für den Schüler die Chance innerhalb der Klasse „aufzusteigen“.
Durch die sich regelmäßig ändernde Gruppenzusammensetzung werden auch Regeln und Arbeitsstile wie selbstverständlich weitergegeben.
Eng verknüpft mit dem Lernen in altersgemischten Gruppen ist das soziale Lernen:

"Die größte Vervollkommnung der Kinder wird durch die sozialen Erfahrungen erreicht." (M. M.)

Neben den Inhalten, welche die Kinder erarbeiten, ist uns ihre soziale Erziehung sehr wichtig. Die Erzieher wollen den Kindern helfen, sich zu einem verantwortungsbewussten, lebendigen, lustvollen Menschen zu entwickeln, der mit sich selbst und anderen Menschen liebevoll und aufmerksam umgeht.
Die Freiarbeit in altersgemischten Klassen bietet dem Kind die Möglichkeit, sich und seine Mitschüler in ihren Stärken zu erleben. Es erlebt Erfolg, indem es sich an seinen eigenen Fortschritten misst und an Mitschülern, die seinen eigenen Fähigkeiten entsprechen. Seine Schwächen lernt es wahrzunehmen und daran zu arbeiten.
Darüber hinaus soll das Kind sich selbst und die eigenen Bedürfnisse kennen und diese vertreten lernen und ebenso die Bedürfnisse des anderen kennen, wahrnehmen und berücksichtigen lernen.

Jedes Kind sollte die Erfahrung machen,
·    dass es seine Sicht darstellen kann und diese angehört und ernst genommen wird.
·    dass es die Sicht des anderen ebenfalls anhören und ernst nehmen muss.
·    das sein Schmerz ernst genommen wird und es Trost und Hilfe findet.
·    dass ein Fehler vergeben und vergessen werden kann.
·    dass ein Lösungsweg gemeinsam gefunden werden kann.

In altersgemischten Gruppen finden Kinder auch leichter einen Weg, soziale Konflikte selbst zu lösen, ohne die Hilfe der Erwachsenen in Anspruch zu nehmen. Dabei fällt auch auf, dass Kinder anders reagieren als wir. Sie scheinen ein intuitives Gespür zu haben für echte Notsituationen, in denen Hilfe gefordert ist und für weniger gravierende Probleme, die sie ohne weiteres ignorieren können.

Die ErzieherInnen

Die ErzieherInnen wollen Helfer und Begleiter auf dem Weg des Kindes zu einer eigenständigen Persönlichkeit sein. Sie begegnen dem Kind mit Liebe, Achtung und Geduld und haben Vertrauen in seine Selbstentfaltungskräfte und in seine Fähigkeit, das Tempo seiner Entwicklung selbst zu bestimmen. Aufgabe der Erzieher ist es, das Kind zu beobachten, es anzuregen und es bei der Auswahl seiner Arbeit zu beraten. Die Erzieher führen die Materialien ein und bieten diese dem Kind an. Sie machen Aufzeichnungen über den Leistungsstand und das Sozialverhalten, sowie über die Lernfortschritte des Kindes.
Statt einer Bewertung in Form von Zeugnisnoten erhält das Kind zur Mitte und am Ende des Schuljahres einen Brief, der es über seine Stärken und Schwächen informiert und Wege für die Zukunft aufzeigt.
Aufgabe der Erzieher ist es aber auch, Grenzen zu setzen. Wo nötig, greifen sie ein und bieten dem Kind Orientierungshilfen an. Gegebenenfalls schützen sie die Arbeit des Kindes vor Störungen durch andere Kinder
"Wenn keine Autorität für die Kinder da ist, so haben sie keine Orientierung." (M. M.)
Damit die Erzieher Beobachter, Helfer und Begleiter für das Kind sein können, benötigen sie die Bereitschaft, sich selbst zurückzunehmen und sich in ihrer Persönlichkeit weiterzuentwickeln.

Die Pädagogik Maria Montessori

1. Ziele der Schule

Durch die Montessori Pädagogik werden Bedingungen geschaffen, die es den Kindern ermöglichen, sich zu eigenständigen Persönlichkeiten zu entwickeln. Die von den Erziehern vorbereitete Umgebung soll ihr Interesse am Lernen wecken und es Ihnen ermöglichen, sich auf eine Tätigkeit zu konzentrieren. Die Kinder lernen, wie man lernt. Sie lernen sich selbst Ziele zu stecken, die Qualität ihrer eigenen Arbeit einzuschätzen und zu überprüfen, um so zum selbständigen Arbeiten fähig zu werden. Sie lernen, Verantwortung für sich selbst, für die Gemeinschaft und ihre Umwelt zu übernehmen, um sich auf das Leben in unserer modernen Gesellschaft vorzubereiten.

"Das Wertvolle im Leben ist die Entfaltung der Persönlichkeit und ihrer schöpferischen Kräfte" (Albert Einstein)

 

2. Die sensiblen Phasen

In der Schulkindphase von 6-12 Jahren erweitert das Kind seinen Aktionsbereich und lebt mehr in Gemeinschaften und Gruppen. Das Kind entwickelt verstärkt ein Gruppengefühl und schließt Freundschaften. Durch seine Arbeit gelangt das Kind zu einer Zufriedenheit mit sich selbst. Daraus entwickelt sich dann die spontane Zusammenarbeit mit anderen Kindern. Das Kind versucht seine eigene Rolle in der Klasse zu finden. Es lernt selbstständig zu handeln, findet darin Anerkennung und Wertschätzung und dies führt zur Entwicklung des Selbstwertgefühls. Es lernt eine realistische Selbsteinschätzung durch die Rückmeldung anderer Kinder und Erzieher. Besonders bedeutsam in der Schulkindphase ist die Fortentwicklung des Geistes zur Abstraktion. Das Kind entwickelt eine eigene Vorstellungskraft und ist nicht mehr an die sinnlichen Vorgaben des Materials gebunden.

Die Phase der Jugendzeit ist von der so genannten Pubertät gekennzeichnet. Charakteristisch sind einerseits die Selbstzweifel und andererseits die Selbstüberschätzung, das Schwanken zwischen Niedergeschlagenheit und Hochgefühl. Es ist eine Phase der Neuorientierung und der Rollenfindung. Dem Bedürfnis nach Schutz und Geborgenheit steht die Erlangung von Selbstständigkeit und Unabhängigkeit gegenüber. Die Abnabelung vom Elternhaus ist ein bedeutender Schritt in das junge Leben.

Pädagogisches Konzept der Jahrgangsstufen 1-4 an der Montessori Schule in Schweinfurt

Freiarbeit als Kernstück des Unterrichts

Da sich jedes Kind individuell entfaltet, lernen nicht alle Kinder zur selben Zeit das Gleiche. Deshalb prägt die Freiarbeit den Unterricht in der Montessori Schule. Täglich beginnt die Freiarbeit für alle um 08.15 Uhr und endet um 10.30 Uhr mit der Pause. Sie nimmt einen Zeitraum von drei Schulstunden ein. Die Kinder können aus dem Materialangebot in ihrem Klassenzimmer, das ihrem Entwicklungsstand entspricht, selbständig oder angeregt durch den Erzieher wählen, womit sie sich beschäftigen wollen. Das Kind wählt auch die Sozialform: Es entscheidet, ob es alleine, mit einem Partner oder in einer Gruppe arbeitet.
Das Montessori-Material spielt für die Arbeit der Kinder eine bedeutende Rolle. Es ermöglicht ganzheitliches Lernen, indem es unterschiedliche Sinne anspricht und an körperliche Aktivität gebunden ist. So werden z. B. beim Erlernen des Lesens mit Hilfe der Sandpapierbuchstaben das Sehen, Erfühlen und Hören gefördert. Der Lernstoff prägt sich durch die Darstellung mehrerer Ebenen intensiver ein. Jedes Kind kann von seinem Wissensstand aus in die Arbeit einsteigen und sie nach seinem eigenen Rhythmus durchführen. Es hat die Möglichkeit, Übungen beliebig oft zu wiederholen. An Hand einer Fehlerkontrolle, die zu jedem Material dazugehört, berichtigt das Kind seine Fehler selbst und gelangt damit zu Unabhängigkeit vom Erwachsenen. Das Kind erwirbt durch seine eigene Tätigkeit schrittweise Eigenverantwortlichkeit und Selbständigkeit.

"Tun zu können, was man gerne tut, bedeutet Freiheit. Das gerne zu tun, was man tut, bedeutet Glück." Henry David Thoreau

Der gebundene Unterricht

Gebundener Unterricht oder auch Fachunterricht soll einerseits die Freiarbeit ergänzen, andererseits soll er Bereiche abdecken, die in der Freiarbeit nicht oder nicht so gut erarbeitet werden können, weil sie ein gemeinsames Lernen und Arbeiten erfordern. Das trifft vor allem für die Fächer kosmische Erziehung, Religion, Ethik, Sport, Kunsterziehung, Musik und Textilarbeit/Werken zu.
Aber auch in Mathematik oder Deutsch gibt es Bereiche, die nicht allein durch den Umgang mit Material erarbeitet werden können. Das kann z.B. die Auseinandersetzung mit Texten, Gedichten oder Buchinhalten sein, aber auch die Erarbeitung von Kriterien für die Gestaltung verschiedener Textarten sowie die Erarbeitung und Diskussion verschiedener Lösungswege und Lösungsmöglichkeiten bei mathematischen Aufgabenstellungen. Aus den gebundenen Unterrichtsphasen heraus können sich Arbeitsformen entwickeln, die denen der Freiarbeit entsprechen. Ebenso entwickeln sich Projekte, die in der Freiarbeit fortgeführt und vertieft werden können.

Besonderheit

An unserer Schule wird bereits ab der 1. Klasse Englisch in spielerischer Form unterrichtet. Wir knüpfen damit an die Erfahrungen aus dem Kindergarten an.

Kosmische Erziehung

Maria Montessori ging davon aus, dass der gesamten Schöpfung ein einheitlicher Plan zugrunde liegt. Die Welt stellt eine Ganzheit dar, in der jedes Teil, jede Pflanze, jedes Lebewesen eine Aufgabe im Ganzen für das Ganze erfüllt. Umgekehrt dient das Ganze den einzelnen Teilen. Dadurch wird ein harmonisches Zusammenwirken erzielt und erhalten. Der Mensch ist in diesen kosmischen Schöpfungsplan eingebunden. Er nimmt dabei aber eine Sonderstellung ein. Er wurde als einziges Lebewesen mit genug Intelligenz ausgestattet, um seine Umgebung zu verändern und zu vervollkommnen. 
Trotz des weltweiten Handels-, Wissens- und Kulturaustausches haben die Menschen es jedoch noch nicht geschafft, „eine einzige universale harmonische Gesellschaft zu bilden“. Diese überlebensnotwendige „Union“ der Menschheit ist wenn dann nur durch eine „direkte Vorbereitung“ der Generation, das heißt durch „Erziehung“ zu erreichen.
Im Schulalltag machen die Kinder konkrete Erfahrungen mit dem Naturgeschehen, zum Beispiel durch Unterrichtsgänge, eigene Versuche und im Schulgarten. Geeignete Arbeitsmittel wie Bücher, Karten, Globen, Sandkasten, Experimentierkästen usw. stehen zur Verfügung.
Die Aufgabe der kosmischen Erziehung ist es, dem Kind eine Vorstellung von Mensch und Natur, sowie Wissen über die Welt der Geografie, der Astronomie, Geologie, Physik,  Biologie, Politik, Soziologie und Geschichte zu vermitteln. Das Ganze geben, um das Detail zu entdecken und es im Zusammenhang mit dem Ganzen verstehen zu lernen, bezeichnet Montessori als das wichtigste Gebot der kosmischen Erziehung, um den Aufbau einer friedlichen Weltgesellschaft zu schaffen, gestaltet und getragen von 
weltoffenen Bürgern.

Projekte und Projekttage

Projektorientierter Unterricht oder Projekttage werden zu einem Thema angeboten und können klassenintern oder klassenübergreifend durchgeführt werden. Sie sind geeignete Methoden, um unseren Kindern Freiräume für ihre Entfaltung und schöpferisches Lernen zu geben.
Durch das gemeinsame Lernen werden natürliche Hierarchien problemlos akzeptiert; Eltern, Erzieher und Kinder arbeiten in schulischer Atmosphäre miteinander. Je nach Können und Lust wählen die Kinder aus der großen Vielfalt der Angebote. Eine größere Motivation und Aktivität aller Kinder fördert so das ganzheitliche Lernen in vielen Bereichen.

Hausaufgaben 

Unsere Schule hat sich für regelmäßige Hausaufgaben entschieden. Diese dienen in erster Linie der Übung und der Vertiefung des individuell erarbeiteten Lernstoffes. „Die Wichtigkeit des Übens ist in der Pädagogik unumstritten.“ Trotz der vielen Übungsmöglichkeiten, die das Montessori-Material bietet, ist die häusliche Übung wichtig, bei einem Kind mehr, beim anderen weniger. Eine enge und vertrauensvolle Zusammenarbeit zwischen Eltern und Erzieherteam ist dabei bedeutend. Hausaufgaben berücksichtigen den individuellen Entwicklungsstand des Kindes und sind in der Regel nicht für alle Kinder gleich. Hausaufgaben werden als Tages- oder als Wochenhausaufgaben erteilt.
Kinder, die die Ganztagesbetreuung nutzen, können dort unter pädagogischer Aufsicht ihre Hausaufgaben machen.

Lernzieldokumentation und -kontrollen

Leistung kann nicht reduziert werden auf einen bestimmten Kenntnisstand des Schülers. Lernen ist ein komplexer Prozess, der soziale und emotionale Bestandteile hat, die bei der Beurteilung des Schülers berücksichtigt werden müssen.
Um bei einem individualisierten Unterricht die Übersicht über den Leistungsstand jedes Schülers zu gewährleisten, werden ausführlich Beobachtungen gemacht und klassenspezifische Pensenbücher angefertigt. Je nach Situation werden auch Leistungstests am Ende bestimmter Lernprozesse durchgeführt. Außerdem werden die erzielten Leistungen und Arbeiten der Schüler dokumentiert.
So erhalten alle Kinder zum Halbjahr und zum Schuljahresende ein „Zeugnis“ in Form eines Briefes an das Kind als Wortgutachten, welches den Lernweg beschreibt und die erarbeiteten Lerninhalte zusammenfasst. Unsere Montessori-Schule gibt den Kindern die Möglichkeit, ohne äußeren Leistungsdruck und ohne Noten zu lernen.
Kinder, die an weiterführende Schulen wechseln wollen, erhalten auf Antrag ein Übertrittszeugnis auf der Basis eines Wortgutachtens.

Mittags - und Nachmittagsbetreung

In der Grundschule wird jeden Tag nach Unterrichtsende bis 13:30 Uhr eine Mittagsbetreuung angeboten und daran anschließend die pädagogische Nachmittagsbetreuung (Montag bis Donnerstag bis 16:00 Uhr, Freitag bis 15:00 Uhr). Die Nachmittagsbetreuung ist für alle Kinder kostenpflichtig.
Nach einer gemeinsamen Essenspause, machen die Kinder Ihre Hausaufgaben, und können anschließend an den kreativen, sportlichen und spielerischen Elementen im Innen- und Außenbereich teilnehmen.

Zusatzangebote

In der unterrichtsfreien Zeit bietet die Musikschule Kohler-Ebner Instrumentalunterricht an. Einmal jährlich findet die Montessori-Kunstwoche statt. Darüber hinaus gibt es weitere Angebote im kreativen, musischen und sportlichen Bereich.

Pädagogisches Konzept der Mittelschule

Das Kind steht im Mittelpunkt, jedes hat individuelle Begabungen und Entwicklungsfähigkeiten. Diese zu erkennen und zu fördern ist Aufgabe der Pädagoginnen und Pädagogen. In der Entwicklungsstufe der Pubertät befinden sich die Kinder und Jugendlichen in einem starken körperlichen und seelischen Umbruch. Ihr Verhalten, Denken und Empfinden ist in dieser Zeit geprägt von Zweifeln und heftigen Gemütsbewegungen. Entscheidend in diesen Jahren ist die Begleitung der jungen Menschen auf ihrem Weg zu einer eigenständigen, verantwortungsbewussten Persönlichkeit. Grundlage und Ziel der täglichen Begegnung sind gegenseitige Achtung und Respekt füreinander. Die Erwachsenen sind Vorbild und Partner. Sie geben Halt und sind bereit, sich offen mit den Jugendlichen auseinander zu setzen. Andererseits werden aber auch, falls notwendig, konsequent Grenzen aufgezeigt.

Die Mädchen und Jungen werden unter Berücksichtigung ihrer Bedürfnisse, Interessen und Fähigkeiten individuell gefördert. Zwischen Schülern und Lehrkräften besteht ein Vertrauensverhältnis. Die Jugendlichen übernehmen Verantwortung bei der Gestaltung der Lernatmosphäre und des Schullebens. Die Vermittlung von Schlüsselqualifikationen (Teamfähigkeit, Zuverlässigkeit, sich in andere hineinversetzen...) ist ein grundsätzliches Anliegen aller Lehrkräfte.

Der Lehrplan für die bayerische Mittelschule bildet die Basis für die Gestaltung der klassenspezifischen Lehrpläne. Diese werden - überwiegend in jahrgangsgemischten Klassen und Lerngruppen - im Rahmen der pädagogischen Zielsetzung der Montessori-Mittelschule umgesetzt. Alle Schülerinnen und Schüler besuchen jahrgangsgemischte Klassen (5/6, 7/8, 9 und M 9/10).

Die Freiarbeit auf der Basis eines Wochenplanes oder Themenplanes nimmt einen großen und entscheidenden Teil des Unterrichts besonders in den Fächern Deutsch, Mathematik, Arbeitslehre, Geschichte/Sozialkunde/Erdkunde, Physik/Chemie/Biologie, Englisch und Hauswirtschaftlich-sozialer Bereich ein. Phasen der Freiarbeit wechseln sich immer wieder auch mit gebundenem Unterricht ab. Die Methode der Freiarbeit erzieht zu selbstständigem, eigenverantwortlichem, konzentriertem und sozialem Lernen. Die differenziert gestellten Arbeitsaufträge berücksichtigen die kognitiven Stärken und Schwächen der Kinder. In diesen Lern- und Arbeitsphasen werden sie von zwei Lehrkräften intensiv betreut. Sie beobachten, unterstützen und sichern die Qualität der Arbeit. Die Mädchen und Jungen arbeiten in ihrem eigenen Lerntempo. So kann jedes Kind Erfolge und Fortschritte erzielen und Freude am Lernen empfinden bzw. entwickeln.

Hausaufgaben werden aus lernpsychologischen und pädagogischen Gründen für sehr sinnvoll und wichtig erachtet. Sie werden regelmäßig gegeben und sind auf das Leistungsvermögen der Kinder abgestimmt.

Leistungsstärkere Kinder, die den mittleren Schulabschluss anstreben, werden im M-Zug und in der jahrgangsgemischten M-Klasse gefördert. Für Kinder mit besonderem Förderbedarf gibt es, je nach Möglichkeit, zusätzliche Betreuung und Begleitung durch den mobilen sonderpädagogischen Dienst.

Alle Schülerinnen und Schüler lernen bereits ab der 5. Jahrgangsstufe in jährlichen, altersgemäßen Betriebspraktika die Berufs- und Arbeitswelt kennen. Sie werden in Zusammenarbeit mit der Berufsberatung der Agentur für Arbeit eingehend auf den Eintritt ins Berufsleben vorbereitet.

Die Fachräume (Werkräume, Schulküche, EDV-Räume, PCB-Raum, Kunstraum) für GtB (Gewerblich-technischer Bereich), HsB (Hauswirtschaftlich-sozialer Bereich) und KtB (Kommunikationstechnischer Bereich) sind gut ausgestattet und ermöglichen entdeckendes und selbstbestimmtes Lernen.

Ein zusätzliches Angebot an Arbeitsfeldern (Schülercafé, Schulgarten, Schülerband, Klettern, Tischtennis, Zirkus, Tanz, Töpfern ...) bietet den Kindern und Jugendlichen die Möglichkeit, Neigungen und Interessen wahrzunehmen und zu vertiefen.

Die Ausstattung der Mittelschule mit Freiarbeitsmaterialien und Montessori-Material wird ständig aktualisiert. Im Unterricht kommen in allen Fächern neue Schulbücher zum Einsatz.

Projektarbeit (fächer- und klassenübergreifende Projekte, Projekttage) wird gemeinsam in den Klassen und im Team - häufig auch unter Miteinbeziehung der Eltern - geplant und regelmäßig durchgeführt. Sie garantiert abwechslungsreiches und lebensnahes Lernen.

Schullandheimaufenthalte für die Jahrgangsstufen 5 bis 7 und Studien- bzw. Klassenfahrten in den Jahrgangsstufen 8 bis 10 werden jährlich durchgeführt. Sie fördern insbesondere den Gemeinschaftsgeist und das soziale Lernen in einer Klasse. Die Kinder und Jugendlichen werden so an politisch, wirtschaftlich, naturkundlich, kulturell und historisch bedeutsame Stätten herangeführt.

In der 8. und 9. Jahrgangsstufe fertigen die Mädchen und Jungen die Montessori-Abschlussarbeit an.

Sie gibt den Jugendlichen die Möglichkeit, ein Thema ganz eigenständig auszuwählen und mit Hilfe eines Mentors, der ein Elternteil, ein Freund oder ein Lehrer sein kann, zu planen und zu bearbeiten. Eine Auseinandersetzung mit den eigenen Fähigkeiten und Fertigkeiten, aber auch Grenzen findet statt. Die Planung und Ausführung erfordert ein hohes Maß an Ausdauer, Ideenreichtum sowie je nach Thema handwerklichem und künstlerischem Geschick. Auftretende Schwierigkeiten müssen gemeistert werden. Die einzelnen Arbeitsschritte müssen schriftlich und mithilfe von Fotos dokumentiert werden. Die fertige Arbeit wird von den Jugendlichen ihren Eltern, Lehrkräften und Mitschülern präsentiert. Ein Jury, bestehend aus den Säulen der Schule (Vorstand, Team, Eltern, Schülerinnen und Schülern) und Vertretern des öffentlichen Lebens (Agentur für Arbeit, Handwerkskammer, Industrie- und Handelskammer, Arbeitgeber ...) begutachtet und würdigt die Arbeiten durch die Überreichung einer Urkunde. Außerdem wird die Montessori-Abschlussarbeit im Montessori-Abschlusszeugnis beschrieben.

In ausführlichen Wortgutachten in Form von Halbjahres- und Jahresbriefen werden das Arbeits- und Sozialverhalten sowie die individuellen Lernfortschritte der Schülerinnen und Schüler dokumentiert. Unsere Schülerinnen und Schüler der 9. Jahrgangsstufe erhalten ein Montessori-Abschlusszeugnis und ein Zeugnis mit Noten für alle Fächer, in dem bei entsprechender Leistung der erfolgreiche Hauptschulabschluss attestiert wird. Dieses wird vom Staatlichen Schulamt bestätigt und unterschrieben. Wenn unsere Jugendlichen als externe Prüflinge erfolgreich am Qualifizierenden Hauptschulabschluss an einer Regelschule teilgenommen haben, stellt ihnen diese Schule ein Zeugnis über die erfolgreiche Teilnahme am Quali aus. Unsere Schülerinnen und Schüler der 10. Jahrgangsstufe der M-Klasse erhalten ein Montessori-Abschlusszeugnis für die M10 und bei entsprechender Leistung von der Regelschule ein Zeugnis über die erfolgreiche Teilnahme als externer Prüfling am Mittleren Bildungsabschluss.

Die Schulleitung der Montessori-Mittelschule und die Montessori-Lehrkräfte der 9. und 10. Jahrgangsstufe arbeiten eng mit der Regelschule zusammen. Sie sind in den Feststellungskommissionen für den Qualifizierenden Hauptschulabschluss und den Mittleren Bildungsabschluss vertreten. Montessori-Lehrkräfte sprechen sich hinsichtlich der Prüfungsbereiche mit den Kolleginnen und Kollegen der Regelschule rechtzeitig ab. Sie unterstützen sie in den Prüfungen bei der Aufsicht, bei mündlichen und praktischen Prüfungen und bei der Korrektur. Prüfungen in HsB (Hauswirtschaftlich-sozialer Bereich) finden an der Montessori-Mittelschule statt. Die Kooperation mit der Regelschule verläuft sehr gut.

Schon im Schuljahr 2004/2005 wurde eine Ganztagsbetreuung eingeführt. Die Vorzüge dieses Angebotes werden den Eltern zunehmend bewusster.

Die Montessori-Schule in Würzburg betreibt seit 2007 eine Fachoberschule. Auch wir in Schweinfurt verfolgen die Idee der Gründung einer Montessori-Fachoberschule ernsthaft.